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Expedition Donau Delta u. Schwarzes Meer PDF Drucken E-Mail
Freitag, 6. Januar 2006

Reisebericht Expedition
Donau Delta u. Schwarzes Meer


 
 
Nach langer unter intensiver Recherche  im Internet , via Telefon und der guten alten Post, haben wir nur einen kleinen Bruchteil der benötigten Informationen einholen können, z. B ob man Tauchgenehmigungen braucht oder nicht, welche Wrack´s wo liegen, kann man mit dem Auto zufahren, usw.. Von der Aussage: „Tauchen mit Gerät was soll das?“ bis hin zur absoluten Ahnungslosigkeit und Ignoranz war alles vertreten.
So beschlossen wir die Lage einfach vor Ort zu erkunden um uns selbst einen Eindruck von der Sache zu machen! Ziel der Sache war, so viel Informationen wie möglich zu erarbeiten, um ein Folgeprojekt punktgenau organisieren zu können, da wir sicher sind, dass im speziellen im Schwarzen Meer viele noch unbekannte bzw. unidentifizierte Wracks liegen. Wir brachen mit 3 Tauchern und 1 Nichttaucher auf in das Ungewisse. Wir reisten mit „leichten“ Tauchgepäck: 1 Scooter, 1 Stage für 50%, 1 Botom Stage, D12 und das restliche Gerümpel was man pro Person so braucht. Kompressor hatten wir auch selbst dabei. Nach dem packen (tiefer legen ) in zwei Autos brachen wir auf:
 
 
Tag 1
Abreise in Wien um 04:00h. Der Grenzübertritte waren problemlos doch sehr überraschend war, dass Maut in der Höhe von €4,- zu bezahlen war. Dazu muss man wissen, dass es eigentlich keine Autobahn gibt und nur auf der Bundestrasse gefahren werden kann. ( Kommt das bei uns auch noch?) Die Reisezeit ans erste Etappen Ziel betrug 11:30h reine Fahrzeit und 840km Wegstrecke. Erschöpft kamen wir bei Julia und Atila in Zentral Rumänien an, die uns herzlich in Empfang genommen haben. Es wurde im Garten gegrillt und die Vorbereitungen für Tag 2 getroffen. Atila und Julia begleiteten uns als ortskundige während der ganzen Reise.
 
 
Tag 2
Wir fuhren wieder sehr früh um 04:30h in Ordohei ab. Bedingt durch diedsc_2096.jpg Hochwassersituation mussten wir eine etwas länger Ersatzroute wählen, da einige Strassen weggespült wurden. Nach einigen Stunden Fahrt mussten wir in Galati das erste mal die Donau mit einer Fähre überqueren. Nach 1½h Fahrt auf durchwegs guten Strassen der Donau, der Moldavischen und Ukrainischen Grenze entlag erreichten wir Tulcea. Tulcea ist die größe Stadt im Donau Delta und der Ausgangspunkt für Reisende ins Innere des Delta´s. Da Ceausescu, der Expräsident, einen künstlichen begradigten Kanal quer durch das Donau Delta ans Schwarze Meer graben ließ um die Schifffahrt ins Landesinnere zu gewährleisten, ist Tulcea auch ein Umschlagplatz für Handelsschiffe. Ein paar Kilometer hinter Tulcea in Nufaru mussten wir mit Fähre 2 einen Arm der Donau, Bratul St. Gheorghe, überqueren. Diese Überfahrt fand auf einer äußerst abenteuerlichen Fähre für drei PKW statt. Nun waren wir wirklich im Inneren des Deltas angekommen und hinter uns lagen ca. 400km und 7½h dsc_2151.jpgFahrzeit. Vor uns lagen noch 20km Schotterpiste und 20km Erdpiste um ans Ziel zu gelangen. Durch die starken Regenfälle der letzten Wochen war die Strasse in einen derart schlechten Zustand, dass wir für die letzten 40 km etwas über 4h Fahrzeit benötigten. Komplet erschöpft erreichten wir nach ca. 11½h Fahrzeit unser Ziel Gorgova. Gorgova ist eine kleine Ortschaft die von Lipovanern, der hier lebenden Bevölkerungsgruppe, bewohnt wird. Unsere Freunde haben hier ein Grundstück, auf dem wir die nächsten Tage verbrachten. 


 karte.jpg
 
 
Tag 3
Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Körperpflege in der Donau unternahmen wir die erste Erkundungsfahrt ins Delta. Wir fuhren um 10:30h mit 2 Booten mit Außenbordmotoren Strom abwärts los. Nach kurzer Fahrstrecke bogen wir in einen namenlosen Kanal ein. Die weiter Strecke führte uns über den Sontea Kanal in den Fortuna See. Der Fortuna See ist ein ca. 3-4m tiefes Wasserbecken in der Größe des Zeller Sees. Schnell erkadsc_2323.jpgnnten wir, dass durch das vor 2 Wochen herrschende Hochwasser in Rumänien sehr viele Schwebeteilchen auch ins Donau Delta gespült wurden und ein tauchen eigentlich unmöglich war. Dennoch gingen wir z.B. im Fortuna See mit Brille und Schnorchel ins Wasser. Um 17:30h kehrten mir mit vielen Eindrücken aus dieser unglaublichen Naturlandschaft ins Basislager zurück. Abends gab es Kesselgulasch frisch vom Lagerfeuer, was unter diesen Umständen und Eindrücken uns allen doppelt so gut  geschmeckt hat, als würden wir es im Garten hinter unserm Haus essen.
 
 
Tag 4
Da Atila schon früh morgens zum Fischen ging, konnten wir zum Frühstück einen köstlichen und wirklich frischen Wels genießen. Danach brachen wir dsc_2384.jpgwieder mit unseren Schiffen ins Delta auf. Diesmal besuchten wir unter Anderem Mila 23, eine Ortschaft mitten im Delta, welche nur am Wasserwege erreichbar ist. An der dort befindlichen Schiffstankstelle konnten wir uns mir dem Tankwart ein wenig unterhalten. Der Bursche war 31 Jahre alt und hat Mila 23 noch nie verlassen. Mila 23 liegt auf einer Insel und kann zu Fuß in ca. 25 Minuten umrundet werden.  Nach dem wir uns Die Ortschaft angesehen haben, brachen wir weiter ins Delta Innere auf. Nach vielen unvergesslichen Eindrücken über dieses nur sehr kleine Teil des Donau Deltas welches wir befahren konnten, kehrten wir ins Basislager zurück. Zudsc_2376.jpgm Abendessen gab es wieder köstlichen frischen Fisch, den wir gemeinsam bei Erzählungen über das Erlebte genossen. An diesen Abend beschlossen wir, einen Tag früher als geplant von Donau Delta ans Schwarze Meer zu reisen, da an das Tauchen auf grund der schlechten Bedingungen nicht zu denken war.
 
 
Tag 5
Nach dem Frühstück brachen wir auf Richtung Schwarzes Meer. Wir konnten die problematische Strecke diesmal in 2½h überwinden, da die letzten Tage durch Sonnenschein und 30° geprägt und die Piste aufgetrocknet war. Wir dsc_2558.jpgmussten wieder bis Tulcea zurück um danach auf ausgezeichneten Strassen Richtung Schwarzes Meer zu fahren. Unsere Bleibe hatten wir in Nähe Constansa wo wir auch nach 5h Fahr ankamen. Ein Freund von Atila stellte uns dankenswerter weise sein Haus zur Verfügung. Endlich hatten wir wieder fließendes Wasser und wir konnten „richtig“ duschen. In Constansa erreichte uns die Nachricht, das Ordohei, die Heimatstadt von Atila und Julia, erneut vom Hochwasser heimgesucht wurde. Gott sei Dank entstand Atila und Julia nur sehr geringer Schaden, wie uns aus Ordohei berichtet wurde, sodass wir unsere Expedition fortsetzten konnten. Nach einen ausgezeichnetem Abendessen vom Grill gingen wir alle früh schlafen, da der nächte Tag ein Langer werden würde.
 
 
Tag 6
Wir besuchten zuerst die einzige uns bekannte Tauchbasis in Constansa. Nachdsc_2573.jpg einen sehr freundlichen Empfang teilte der Besitzer uns mit, dass zur Zeit ans Tauchen nicht zu denken ist. Die Donau fließt nur ca. 100km nördlich von Constansa ins Schwarze Meer und bedingt durch das Hochwasser wurde viel Sediment ins Meer befördert. Was noch nicht so schlimm wäre, wäre da nicht ein seit Tagen andauernder auflandiger Wind, der die Sedimente gegen die Küste drückt und die Sicht an der Küste gegen null schrumpfen ließ. Wir tauschten die Telefonnummern um sofort in Kontakt treten zu können, wenn sich an der Wettersituation was ändert. Wir hatten auch Kontakt zu anderen Tauchbasen die aus unserer Sicht nur auf der „Abzocke“ unterwegs waren. Es wurde von uns bis zu €100,- pro Person für das organisieren einen Bootes zum Tauchplatz verlangt. Bootsausfahrten sind sehr
selten, da in Rumänien das Tauchen aus Strandtauchgängen in einfachster Ausrüstung besteht. Wir nutzten die Zeit um das Marine Museum zu besuchen. dsc_2643.jpgNach einem sehr interessanten Rundgang durch die maritime Geschichte Rumäniens fuhren wir nach Constinesti, einen Touristenort südlich von Constansa um zu sehen, wie sich der Tourismus an der Küste darstellte. Zu unserer großen Verwunderung sahen wir eigentlich keinen Unterschied zu Kroatien.
 
 
Tag 7
Nach dem Gespräch mit der Basis konnten wir immer noch keine besseren Tauchbedingungen hinterfragen, deshalb beschlossen wir nach Olymp in einedsc_2678.jpg Atila bekanntes Fischerdorf zu fahren um mir den Fischern zu sprechen. Wenn wer über Wracks bescheid wissen sollte, dann wohl die Fischer. Haben interessante aber leider nicht ausreichende Infos erhalten. Wir beschlossen am Nachmittag nach Vama Veche, eine Ortschaft kurz vor der Rumänisch Bulgarischen Grenze, zu fahren, da und dort einen Wrackposition bekannt war. Ein kleiner Teil des Wracks ragt dort noch aus dem Wasser, sodass wir das Wrack sehr leicht lokalisieren konnten. Das griechische Frachtschiff Namens Steven lief 1983 auf Grund und brach 1992 auseinander. Wir benutzen unsere Scooter um das etwa von Strand 700m entfernt Wrack zu erreichen. Da wir nicht in Erfahrung bringen konnten, ob tauchen erlaubt war oder nicht, hofften wir auf einen problemlosen Tauchgang. Doch nach einiger Zeit stand die Küstenaufsicht 3 Mann hoch vor uns. Ich dachte unsere Ausrüstung ist jetzt weg, doch nach einigen Gesprächen mit den Herren stellte sich heraus, dass sie nur sehr beeindruckt von unserer Ausrüstung waren. Sie nahmen uns das Versprechen ab, dass wir Ihnen den Film den wir bei diesem Tauchgang drehen wollten zeigen mussten, was wir natürlich gerne machten. Das Wradsc_2729.jpgck selbst ist durch die Brandung sehr stark zerstört, dennoch konnten wir einige Details trotz der schlechten Sicht filmen. Nach Rückkehr zeigten wir wie versprochen der Küstenwacht den Film den diese mit Begeisterung am Kameramonitor verfolgten. ( viel war nicht zu sehen) Nach versorgen der Ausrüstung brachen wir wieder Richtung Constansa auf. Wir beschlossen trotz der Sichtbedingungen am nächsten Tag eine Ausfahrt zu machen.
 
 
 
 
 
 
Tag 8
Wir trafen uns um 07:30h mit dem Basenbesitzer, der uns zu einen befreundetet Bootsbesitzer in die Marina von Eforie brachte. Das Ziel unserer Ausfahrt war ein chinesisches Frachtschiff  Namens Yuksiu welches Marmor geladen hatte. dsc_2743.jpgBei Sturmwarnung (trotz rechtzeitiger Warnung) ist der Motor ausgefallen und schlug auf Grund Leck. Bei diesem Unfall ist leider die gesamte Mannschaft ums Leben gekommen. Heute liegt das Wrack in einer Tiefe von ca. 26m und ist, soweit wir das erkennen konnten, noch im ausgezeichnetem Zustand. Trotz intensiver Recherche bei verschieden Stellen konnten wir die Länge des Wracks und eine Lagezeichnung nicht erhalten, da derartige Informationen in Rumänien nicht gefragt sind. Der Tauchbasisbesitzer selbst hat bereits mehrere Tauchgänge auf diesem Wrack und hat das Schiff immer noch nicht umrundet. Wir beschlossen ihn aus diesem Grund am Schrittgurt festhaltend abzuschleppen, damit auch er das Wrack bei einem Tauchgang umrunden kann. Die Sicht war, wie breites auch bei dem Tauchgang davor, äußerst bescheiden. Trotzdem begannen wir das Wrack zu umrunden. Das Wrack ist zu mindest an einer Stelle gebrochen. Die Aufbauten und die Laderäume sind teils sehr gut intakt. Vom Heck aus scooterten wir an der backbord Seite entlang und umrundeten das Wrack. Leider dsc_2764.jpgwar unsere Tauchzeit eingeschränkt, da der Basenbesitzer mit einer Mono 15 unterwegs war. Wir hatten einen viel versprechenden Tauchgang hinter uns gebracht wo wir einstimmig der Meinung waren, 4-5 Tauchgänge an diesem Wrack machen zu müssen, um sich einen detailreichern Überblick zu schaffen. In dieser Region sollen noch 4-5 weiter Wracks liegen, genau weis das aber niemand. Wir gingen noch mit dem Basenbesitzer essen und beschlossen 2007 gemeinsam weiter Wracks in der Umgebung zu erkunden und zu dokumentieren. Diesen Nachmittag gönnten wir uns einmal einen Sonnenbad am Sandstrand des Schwarzen Meeres. Abends in unserer Unterkunft ließen wir den Tag bei einem guten Abendessen Revue passieren und war einstimmig der Meinung, dass es an der rumänischen Küste noch viel zu tun gibt für Wracktaucher mit keinem Luxusanspruch. Danach trafen wir schon wieder die ersten Reisevorbereitungen für die erste Etappe Richtung Heimat.
 
 
Tag 9
Wir fuhren um 09:00h in Constansa los Richtung Ordohei. Nach ca. 10h Fahrt erreichten wir unser Ziel und konnten nicht glauben, was wir zu sehen bekamen. Idsc_2831.jpgm Donau Delta und am Schwarzen Meer hatten wir immer um die 30° und hier standen in dieser Zeit die Häuser teilweise über 1m unter Wasser. Wir konnten einen Eindruck davon holen, welche zerstörerische Kraft  das Wasser hat. Auch hier hat es auch wieder überwiegend die Ärmsten der Armen getroffen. Dies alles mit eigenen Augen zu sehen, macht einen sehr betroffen. Glücklicher weise war das Haus von Atila und Julia nicht betroffen und wir konnten eine angenehme nacht vor der letzten Etappe verbringen.
 
 
 
 
Tag 10dsc_2841.jpg

Um 04:00h morgens starteten wir Richtung Österreich und konnten nach einer problemlosen 11h langen Fahrt unser Ziel in Wien erreichen!

So was gibt es auch nur in Rumänien. Eine Schafherde wird entlang der E60, die Hauptdurchzugsstrasse quer durch Rumänien, getrieben! Siehe Foto!
 
 
 
 
 
 
dsc_2851.jpgAlles in Allen können wir sagen , wir kommen wieder, es gibt viel zu tun. (Leider ist heuer nicht mein Jahr, denn meinen Mexiko Urlaub musste ich ohne einen einzigen Höhlentauchgang auf Grund des Hurrikan Andre abbrechen. In Rumänien hatten wir Hochwasser, aber ich gebe nicht auf!)
 
 
Ganz besonders möchte ich mich bei Ildiko meiner Frau, Julia und Atila bedanken. Sie haben es durch ihren selbstlosen Einsatz erst möglich gemacht, dass wir in so unbetauchten Terrain tätig sein konnten. Auch wäre es uns ansonsten unmöglich gewesen die sprachliche Barriere zu überwinden!
 
 
 
Oliver
 
 
 

 


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